Eine kleine Silvestergeschichte: "Silvesterputz"neue Geschichte

Das alte Jahr neigt sich dem Ende zu. Auf Vergangenes schauen wir zurück, Pläne für´s neue Jahr werden geschmiedet. Passend zur jetzigen Zeit haben wir für dich eine kleine Geschichte, zum Nachdenken und vielleicht auch ein weinig zum Schmunzeln. Doch lies selbst!

Silvesterputz

Silvester. Ich bin noch einmal ins Büro gefahren. Wie alle Jahre. Aufräumen, Ausmisten, alte Vorgänge sichten, E-Mails löschen, die Festplatte putzen.

So manche Akte habe ich tatsächlich ein ganzes Jahr nicht mehr in Händen gehalten. Vor 365 Tagen einfach wieder für ein Jahr vertagt. Es wird Zeit, sich zu entscheiden. Dafür oder dagegen.

Gut, es sind auch ein paar aktuelle Sachen dabei. Vorhabenvorräte für das kommende Jahr. Doch ehrlich, bereits heute laufen einige davon Gefahr, mir am nächsten Silvestertag wieder zu begegnen.

Zahlreiche Vorgänge füllen die Schränke. Belasten die Einlegeböden. Doch nicht nur diese. Jeden Morgen, beim Öffnen der Schranktüren, belasten sie auch mich. Sie schauen mich an. Jawohl, sie blicken mir entgegen. Unnachgiebige Blicke. Und sie sprechen zu mir. Korrekt, sie haben mir etwas mitzuteilen. Auffordernde Worte.

»Nun mach schon, Du Vertagungsweltmeister. Entscheide Dich. Fang endlich an, oder lass es endgültig sein. Bring es zu Ende. Trenne Dich von uns. Bring es zu Ende. So oder so. Hier im Schrank taugen wir nur als Alltagsballast«, meine ich, sie flüstern zu hören.

Tja, da scheint tatsächlich etwas dran zu sein. Und je länger ich darüber nachdenke, wie diese Aktenberge einmal entstanden, drängt sich die Lösung fast schon von alleine auf.

Ich packe mir einfach zu viel drauf, auf meine Päckchen. Stück für Stück. Schleichend wachsend, beinahe unmerklich. Ich nehme mir zu viel vor und trenne mich nicht konsequent von Überflüssigem, Überholtem, unwichtig Gewordenem.  

Loslassen und nicht wieder zulassen. Wenn das mal so einfach wäre. Aber einen Versuch wert ist es allemal.

Und wenn ich gleich wieder nach Hause komme, ist es da nicht ähnlich? Lauern dort nicht ebenfalls in allen Ecken die Plagegeister mit dem Aufdruck „Unerledigt“? Hässlicher Alltagsballast kombiniert mit ungelösten Vorhabenvorräten? Auch sie schauen mich an und haben eine Botschaft. Ähnlich wie im Büro.

Und so kommt mir in den Sinn, dass schließlich ich es doch alleine bin, der sagen kann: »Danke, das war's. Dieser Plan wird nicht wieder vertagt. Er wird endlich erledigt oder auf nimmer Wiedersehen entsorgt.« Oder etwas mutiger sogar: »Dieses Vorhaben wird gar nicht erst zugelassen.«

Es ist die Kunst des Weglassens. Ich muss loslassen und nicht wieder zulassen. Muss abstrahieren, die Dinge gewichten. Werde mehr Zeit haben für die Themen, die nicht belasten, sondern entlasten.

Auch die blicken mich an. Auch die teilen sich mit. Doch viel schüchterner und zurückhaltender. Vielleicht kommen sie deshalb so oft zu kurz.

Ich werde meinen Silvesterputz künftig häufiger abhalten, öfter meinen Gedankenplunder entrümpeln. Kürzere Abstände bedeuten weniger Zeitaufwand. Mehr Zeit für mich.

Loslassen und nicht wieder zulassen. Wenn das mal so einfach wäre. Aber einen Versuch wert, ist es allemal.

© Klaus-Gunther Häuseler, epubli Verlag

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