Weihnachtsgedicht:"Wunschzettel aus dem Jahre 1947"neues Gedicht

Wie war Weihnachten 1947? Was wünschten sich zu dieser Zeit die Kinder? Die Antworten findest du in den nun folgendem Gedicht, mit dem wir die Rubrik "Weihnachtsgedichte von Heute" ausklingen lassen möchten.
Wir wünschen dir ganz viel Freude mit unserer Gedichtesammlung und ein frohes und glückliches Weihnachtsfest!

Wunschzettel aus dem Jahr 1947


Lieber, guter Weihnachtsmann, bitte sei so nett
und bring mir doch zu Weihnachten ein eigenes warmes Bett.
Ich teile mir das schmale Bett – ich möchte ja nicht lästern –
mit Hildegard und Edeltraud, meinen beiden Schwestern.

Die eine liegt dicht neben mir, die andere am Ende,
wo wir mit unseren Füßen sind, ich finde, das spricht Bände.
Hildegard dreht sich oft rum und spricht sogar im Schlaf,
Edeltraud macht sich gern lang, ansonsten ist sie brav.

So werde dauernd ich gestört und kann nicht ruhig schlafen
und hol‘ ich das Versäumte nach, will mich der Lehrer strafen.
„He Inge, mach die Augen auf, du hast nicht zugehört.
In der Schule döst man nicht!“, ruft er dann sehr empört.

Die Mama schläft im anderen Bett mit unserem Bruder Freddy.
Der Kleine ist vier Jahre alt und wünscht sich einen Teddy.
Der alte Bär ist ramponiert, es fehlen beide Ohren
und auch ein Bein von diesem Tier ging auf der Flucht verloren.

Er riecht nicht gut und außerdem hat er nicht mehr viel Haar.
Trotzdem hat Freddy ihn sehr lieb, das ist mir völlig klar.
Ich fürchte nur, er kann nicht mehr sehr lange mit ihm spielen,
ein Auge hängt schon etwas raus und er beginnt zu schielen.

Hildegard verspricht Dir fest, in Zukunft brav zu sein,
bringst Du ein Viertel Leberwurst, so ganz für sie allein.
Ich glaube, mit der Leberwurst kannst Du sie sehr beglücken.
So kann sie viele Schnitten Brot mit dieser Wurst verdrücken.

Edeltraud, die möchte gerne eine Puppe haben
und, wenn es geht, zum Weihnachtsfest auch ein paar süße Gaben.
Am liebsten mag sie Marzipan, doch ist es gar nicht schade,
wenn Du stattdessen Bonbons bringst und etwas Schokolade.

Die Mama möchte gar nichts haben, doch wär‘s ihr ganzes Glück,
wenn Du bringst unseren lieben Vater gesund zu uns zurück.
Er ist in Kriegsgefangenschaft – ich hab‘ vergessen wo.
Du musst ihn finden, denn er fehlt uns allen wirklich so.

Dass bald Dein Weihnachtsglöckchen klinge,
das wünscht von Herzen!
Deine Inge

- Elke Abt -

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