Gedichte für die Weihnachtszeit: "Von guten Mächten wunderbar geborgen"

Dieses besinnliche, tiefgreifende Gedicht stammt aus der Feder von Dietrich Bonhoeffer, einem evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer. Er hat es am 19.Dezember 1944 in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin geschrieben. Es ist Bonhoeffers letzter erhaltener theologischer Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945. Heute ist es auch ein vielgesungenes Lied.

Von guten Mächten wunderbar geborgen


Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer
(1906-1945)

Dietrich Bonhoeffer:

Zu guter Letzt:
Du kennst noch ein anderes schönes, altes Weihnachtsgedicht, welches hier veröffentlicht werden sollte? Dann lass es uns wissen!  Schicke das Gedicht an unsere Email. Wir freuen uns sehr auf deine Post.